Ausstellungsprogramm 2013

21. März bis 17. November 2013

Im Lot – Gebaute Geschichte in Carnuntum


Wie die Römer in Pompeji oder Herculaneum wohnten, ist an Hand von vielen noch erhaltenen Gebäuden sehr gut bekannt. Diese Orte, die im Jahre 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurden, sind heute die anschaulichsten Zeugnisse römischer Architektur. Von Rom und anderen Städten des Römischen Reiches sind u.a. viele schriftliche Zeugnisse zur Architektur vorhanden.

Anders sieht es allerdings nördlich der Alpen und damit auch hier bei uns in Carnuntum, der Hauptstadt Pannoniens, aus, wo von der ursprünglichen Architektur nicht viel mehr als Reste des aufgehenden Mauerwerks erhalten sind. Für die Präsentation dieser Baureste gilt es daher- neben der mustergültig durchzuführenden archäologischen Untersuchung und Dokumentation -herauszufinden, wie das Gebäude seinerzeit ausgesehen haben könnte und wie es genutzt wurde. Dazu müssen alle Informationen, wie die vorhandenen Befunde der Ausgrabung, der Grundriss mit den vorhandenen Mauern, ihre Stärken, Reste der Dachdeckung, Hinweise auf Türschwellen, die Bodenbeläge der einzelnen Räume, ihre Nutzung sowie eventuell vorhandene Vergleichsbeispiele herangezogen, überprüft und ausgewertet werden. Dazu werden bei der Rekonstruktion alle bautechnischen Gegebenheiten, wie die Möglichkeiten der römischen Bautechnik mit unterschiedlichen Materialien, konstruktiv-statische Aspekte, der Winkel der Dachneigung, Fragen der Belichtung und Raumnutzung, die mögliche Anordnung von Fenstern und Türen oder die einfache Ableitung der Niederschlagswässer auf ihre Machbarkeit und Sinnhaftigkeit überprüft. Aus einer Reihe von mehreren Möglichkeiten werden dann anhand solcher Kriterien Ausschließungen vorgenommen, bis sich ein schlüssiges Gesamtbild des ursprünglichen Gebäudes ergibt.

Die Ausstellung in der Kulturfabrik Hainburg nimmt konkret Bezug zu den bestehenden Rekonstruktionen antiker Gebäude im Freilichtmuseum Petronell des Archäologischen Parks Carnuntum. Durch die Inhalte der Ausstellung werden den Besuchern die Überlegungen, Schritte und Zusammenhänge, die zur Rekonstruktion antiker Architektur führt, vor Augen geführt.
Damit können sehr ausführlich die am meisten von den Besuchern gestellte Frage, wie es denn möglich ist, ein antikes Gebäude nach mehr als 1700 Jahren wieder originalgetreu und funktionstüchtig zu bauen, beantwortet werden?

Nach einem kurzen Überblick über die antiken Quellen zu Architektur, Maßsysteme und Proportionslehre bei römischen Autoren erfolgt ein Streifzug durch die Geschichte von Rekonstruktionsbauten seit der Renaissance im gesamten Mittelmeerraum und den im Lauf der Zeit unterschiedlichen Zugängen zur Dokumentation antiker Baureste. Berühmte Gelehrte wie Giovanni Battista Piranesi, Andrea Palladio oder Leonardo da Vinci haben uns großartige Zeugnisse dazu hinterlassen. In weiterer Folge werden die verwendeten Baumaterialien – Holz, Stein, Lehm, Ziegel und Glas an Hand von Originalfunden, nachgestellten Installationen und bildlichen Beispielen vorgestellt. Die möglichen Verarbeitungstechniken dieser Materialien zeigen die große Bandbreite ihrer Einsatzmöglichkeiten. Notwendige Funktionsabläufe technischer Einrichtungen wie bei den Thermen komplettieren hier diese Erklärungen.
Schließlich folgt ein ausführlicher Bereich über die Details der Wohnkultur der Römer und die drei ausgeführten Rekonstruktionen in situ in Petronell – privates Wohnhaus, privates Stadtpalais und öffentliche Badeanlage werden im Modell vorgestellt.
Kinder und Jugendliche können im großzügig ausgeführten museumspädagogischen Abschnitt selber zum antiken Baumeister werden und diese Petroneller Gebäude zusammenbauen.

Öffnungszeiten und Eintrittpreise

Vergangegene Ausstellungen

 

Archäologischer Park CarnuntumMuseum für Urgeschichte - Asparn an der ZayaKultur Niederösterreich